Operations Manual

Der nachfolgende Text ist Grundlage für Formulierungen in den Flughandbüchern (Operations Manuals) von Flugbetrieben, die CISM eingeführt haben.
Er ist von der Stiftung Mayday gemeinsam mit den Flugbetrieben der Deutschen Lufthansa, Swiss, und Austrian Airlines entworfen worden. 

Operations Manual
CRITICAL INCIDENT STRESS MANAGEMENT (CISM)

Operationelles Debriefing

Wenn es bei einem außergewöhnlichen Vorfall zu verschiedenen Wahrnehmungen innerhalb der betroffenen Crew gekommen ist, soll der Kommandant ein „Operationelles Debriefing“ mit allen Crew-Mitgliedern durchführen.

Solch ein aussergewöhnlicher Vorfall wird nach drei Kriterien definiert:

  • Er findet ausserhalb der Alltagsroutine statt
  • Er führt zur Abweichung von der normalen Arbeitsroutine
  • Eine unterschiedliche Wahrnehmung und Beurteilung des Vorfalles ist wahrscheinlich.

Das „Operationelle Debriefing“, die reinen Fakten betreffend, sollte so bald wie möglich nach dem Vorfall durchgeführt werden. Nicht betroffene/beteiligte Personen dürfen nicht teilnehmen und auch nicht zuhören.

Beispiele sind: Durchstarten, Ausweichen auf andere Flughäfen. usw.

Während des „Operationellen Debriefings“ sollen folgende Fragen geklärt werden:

  • Was sind die technischen Fakten/Vorgehensweisen bei einem solchen Vorfall?
  • Gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen unter den Crew-Mitgliedern?
  • Besteht Bedarf für weitergehende CISM-Maßnahmen?
  • Wie gehen wir weiter vor?

CISM-Maßnahmen werden nötig, wenn ein „Operationelles Debriefing“ länger als 15 Minuten dauert und starke physische oder emotionale Reaktionen erkennbar werden.

CIS-Debriefing

CIS (Critical Incident Stress)-Maßnahmen sollen nach einem „Operational Debriefing“ durchgeführt werden, sobald irgendein Crew-Mitglied einem extrem hohen Grad von Stress ausgesetzt war. Stress kann extrem hoch sein nach Situationen, in denen Leben oder Gesundheit bedroht wurden.

Beispiele solcher Situationen:

  • Extreme Turbulenzen
  • Triebwerksschaden, Startabbruch
  • Fastzusammenstösse
  • Feuer oder Rauch an Bord, Vogelschlag
  • Notlandung und/oder -Evakuierung (vorbereitet oder durchgeführt)
  • Todesfall an Bord oder während Zwischenstop
  • Entführung
  • Gewalttätiger Übergriff während des Fluges, sexuelle Angriffe, Geiselnahme
  • Naturkatastrophen

Daraus resultierende sofortige Reaktionen können Aufmerksamkeitsstörungen, Nachlassen von Informationsweiterleitung und Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen, Schocksymptome und/oder sozialer Rückzug sein.

Crew-Mitglieder und ihre Familien können individuelle Unterstützung bei der Verarbeitung der physischen und emotionalen Auswirkungen extremer Stresssituationen, nach einem Unfall oder einem gefährlichen Zwischenfall benötigen.

Für solche Fälle stehen ausgebildete CISM-Teams zur Verfügung. Speziell geschulte CISM-Koordinatoren definieren und initiieren die geeigneten Maßnahmen.

Die Flugbetriebsorganisation ist verantwortlich für die Vorbereitung und Organisation von CISM-Interventionen. CISM-qualifizierte Angehörige der „Stiftung Mayday“ sind verantwortlich für die Durchführung dieser CISM-Interventionen.

CIS-Debriefings dürfen nur von ausgebildeten und ausgewiesenen CISM-Team Mitgliedern durchgeführt werden.

Kontakt:
CISM-Call-Center (24-Stunden-Voicemail): +49 151 2240 7703