
Belastende Ereignisse im Flugbetrieb
Wir möchten Sie mit diesem Informationsblatt über mögliche emotionale und physische Reaktionen nach einem belastenden Ereignis, wie Sie es erlebt haben, informieren. Solche Reaktionen können bereits bei scheinbar geringfügigen Ereignissen sofort oder auch erst nach einem längeren Zeitraum eintreten und dann sogar Monate oder Jahre anhalten. Sie können einzeln oder individuell gemischt auftreten und sind völlig normal.
Sollten sich die Reaktionen nach 2-4 Wochen noch nicht wesentlich gebessert haben, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass das Ereignis zu überwältigend war, um allein damit angemessen umgehen zu können. Für diesen Fall bieten wir die Vermittlung professioneller Hilfe an.
Das Spektrum möglicher normaler Reaktionen reicht über folgende Bereiche:
1) emotional:
Ängste; Schuldgefühle; Hilflosigkeit; Unsicherheit; Beklemmung; Niedergeschlagenheit;
Wut (-ausbrüche); starke Trauer; Panikattacken; erhöhte Reizbarkeit;
depressive Verstimmungszustände; Gefühlsarmut; Gefühlslabilität.
2) verhaltensspezifisch:
Hektik, Rast-, Ruhe- und Schlaflosigkeit; verstärkter Konsum von Genussmitteln;
Überempfindlichkeit; ausweichendes Verhalten; Rückzug; verändertes Sprachbild / -muster;
veränderter Sprachgebrauch; Veränderungen im sozialen Umfeld; Gefühlsausbrüche;
unkontrollierte Bewegungen; Risikosuche: Aufnahme von Risikosportarten,
Suche nach Adrenalinkick.
3) physisch:
Übelkeit; Appetitlosigkeit; Schlafstörungen; Muskelschmerzen; erhöhter Herzschlag;
Atemprobleme; Schweißausbrüche; Schwindel-, Schwächeanfälle; Benommenheit; Müdigkeit;
Sehschwäche; Erbrechen; Schüttelfrost; Muskelverspannung; Kopfschmerzen;
vermehrte Flüssigkeitsaufnahme; Bluthochdruck; Hyperventilation; Schocksymptome.
4) kognitiv (geistig):
Konzentrations- und Gedächtnisschwächen; Desorientierung bzgl. Zeit, Raum und/oder Per-
sonen; überhöhte / reduzierte Reaktionsbereitschaft; allgemeine Verwirrtheit; Konfusion;
Albträume; Misstrauen; Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung;
verstärkte / reduzierte Wahrnehmung des Umfeldes; verminderte Aufmerksamkeit.
Einige Verhaltenshinweise nach belastenden Ereignissen
- bewegen Sie sich in vertretbarem Maße sportlich (Radfahren, Joggen, Wandern, etc.)
- behalten Sie Ihren gewohnten Lebensrhythmus bei
- ernähren Sie sich vitaminreich und gesund (z.B. viel Obst, Rohkost)
- sorgen Sie für ausreichenden Schlaf
- machen Sie sich Notizen zu Ihren Gefühlen und Gedanken, besonders, wenn Sie
deswegen nicht schlafen können
- kämpfen Sie nicht gegen wiederkehrende Gedanken oder Träume
- beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Ihnen gut tun, versinken Sie nicht in
Gleichgültigkeit, Apathie und Grübelei
- nehmen Sie sich nur das vor, was Sie auch sicher durchführen können
- verbringen Sie viel Zeit mit vertrauten Menschen
- akzeptieren Sie Ihre eigenen Reaktionen, setzten Sie sich aktiv damit auseinander (die
Reaktionen sind normal, das Ereignis ist unnormal) und sprechen Sie darüber mit
Partnern, vertrauten Kollegen und Freunden, am besten jedoch mit professionellen
Ratgebern
- machen Sie sich bewusst, dass Menschen in vergleichbaren Situationen ähnliche
Prozesse durchleben
- verschieben Sie bedeutende Lebensentscheidungen auf einen späteren Zeitpunkt
- vermeiden Sie auf jeden Fall Alkohol und Drogen. Beides beeinflusst eine
Verarbeitung außerordentlich negativ!
- Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt, der über das Ereignis
informiert ist, eingenommen werden!
Hinweise für Familienangehörige und Freunde:
- hören Sie aktiv und aufmerksam zu, auch wenn sich Schilderungen wiederholen
- bagatellisieren Sie das Ereignis nicht ("es hätte schlimmer kommen können", etc.),
sondern zeigen Sie Verständnis für die Situation
- nehmen Sie emotionale Äußerungen nicht persönlich
- seien Sie zugänglich und nehmen Sie die geschilderten Gefühle ernst
- helfen Sie bei den täglichen Arbeiten (Kochen, Aufräumen, Kinderbetreuung etc.)
- bieten Sie Hilfe auch ohne Aufforderung an.
Das CISM-Team ist erreichbar unter Tel.: +49 (0)700 77007703 oder +49 (0)700 CISMTEAM
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